Jahresarbeit 12. Klasse (Waldorfschule Mainz)

Bau einer E-Gitarre

Zum Lehrplan der Waldorfschulen gehört neben diversen Theaterprojekten (9.- und 12. Klass-Spiel) und Praktika (Feldmeß, Betriebs- und Landwirtschaftspraktikum) die Anfertigung einer Jahresarbeit in der 12. Klasse. Sinn dieser Arbeit ist, sich zielgerichtet über einen Zeitraum von 3 Monaten mit einer Sache eingehend zu befassen und sie zu einem Ergebnis zu bringen. Ich hatte mich seinerzeit im Jahr 1988 für den Bau einer E-Gitarre entschieden, was natürlich seitens der betreuenden Lehrkräfte erstmal mit gebremster Begeisterung aufgenommen wurde.
Neben der Anferitigung der Gitarre gehörte zur Jahresarbeit auch die Dokumentation in Schriftform und die anschließende Präsentation.

Ausführung
Wegen der einfacheren Umsetzung des Vorhabens entschied ich mich seinerzeit für die Stratocaster-Bauform. Da ich keine Anleitung von einem Gitarrenbauer hatte und den Bau der Gitarre komplett in eigen-Regie unternehmen sollte, habe ich mich auf die Herstellung des Korpussses beschränkt und den erforderlichen Gitarrenhals bei Rockinger bestellt. (Diesen Hals spiele ich übrigens heute noch!).

Die etwas ungewöhnliche Kombination eines Stratocaster-Korpus mit einem Telecaster-Hals war Absicht. Umgekehrt (Tele-Body mit Strathals) hatte Steve Morse das bei seiner Gitarre ja auch schon gemacht. Ich fand meine Konbination irgendwie sinnvoller, da sich die Tele-Hälse für meinen Geschmack bequemer bespielen lassen als die Strat-Teile und der Stratbody ist nicht so klobig wie der Telecaster-Korpus.






Original-Abb. aus der Jahresarbeit
Als Korpusmaterial hatte ich mir ein Stück Ahorn herausgesucht welches nun per Handarbeit in die E-Gitarrenform gebracht werden musste. Zuerst wurde die Korpusform ausgesägt und dann mit dem Schleifklotz in Form gebracht. Die Ausfräsungen wurden mit einem Stechbeitel heruasgearbeitet was eine schweiss-treibende Angelegenheit war. An dieser Stelle hatte ich beinahe schon bereut das Hartholz Ahorn ausgesucht zu haben. Die Nutzung von Maschinen zur passgenauen Fräsung war leider nicht erwünscht. Daher war die Halsausfräsung nicht so ganz optimal wie sich später herausstellte.

Schaltungstechnisch war die Gitarre sehr spartanisch mit einem Rockinger-PAF-ECT-Humbucker am Steg, Volume und Ton-Poti und einer Rockinger Non-Tremolo-Bridge ausgestattet. Also eine typische Rock-Gitarre und für meine damaligen musikalischen Ambitionen völlig ausreichend



Später wollte ich dann eine vielseitigere Gitarre (vor allem auch amtliche Strat-Sounds) und habe die Gitarre umgebaut. 1990 habe ich die Gitarre dann mit einem Original-Rockinger-Stratbody aus ultra-schwerem Eschenholz noch einmal deutlich aufgewertet. Die einzigen Teile die noch aus der Jahresarbeit stammen sind der Hals und einige elektronische Bauteile. Diese Gitarre ist heute mein Hauptinstrument und bietet in der gegenwärtigen Ausstattung alles was man so braucht. Die Schaltung ist der Ibanez JEM entlehnt und bietet folgende Tonabnehmerkombinationen:
  1. Position 1: Humbucker/Hals alleine
  2. Position 2: Humbucker/Hals (gesplittet) und SingleCoil/Mitte
  3. Position 3: SingleCoil/Mitte alleine
  4. Position 4: SingleCoil/Mitte und Humbucker/Steg (gesplittet)
  5. Position 5: Humbucker/Steg alleine

Durch diese Schaltung habe ich in den Positionen 2 - 4 die amtlichen Strat-Sounds. Vor allem auf die Zwischenpositions-Sounds möchte ich ungern verzichten. Durch die beiden Humbucke hat man dann zusätzlich die Möglichkeit etwas "fettere" Sounds zu produzieren.

Gegenwärtig ist die Gitarre wie folgt ausgestattet:

  • Rockinger Telcasterhals aus Ahorn mit 21 Jumbo-Bünden
  • Rockinger Strat-Body aus Esche
  • Pickups: DiMarzio PafPro am Hals und FRED am Steg, in der Mitte Rockinger ST-RAT
  • Schaller™ 2000 Tremolo-System (eigentlich Vibrato, mehr dazu...)

Wer sich für Gitarren-Tuning und Umbauten aller Art interessiert kann mal bei Rockinger auf der Service-Seite nachschauen. Da gibt es jede Menge Workshops zum Thema.